9. November 2015 / Oberhausen
KLIMA.WERKSTATT
STADTWERKE IN DER ENERGIEWENDE
image caption
Inhaltsverzeichnis
Veranstaltungsdokumentation
KLIMA.WERKSTATT 2015
Stadtwerke in der Energiewende
1.1
Einleitung
4
Workshops
2.1
Workshop I: Stadtwerke und Wohnungswirtschaft
4-6
2.2
Workshop II: Marktchancen für Elektromobilität? - Good Practice-Beispiele
7-9
2.3
Workshop III: Das Mantra der Energieeffizienz
10-13
2.4
Workshop IV: Wege zur klimaneutralen Wärme
14-15
2.5
Workshop V:Quo vadis Elektromobilität?
16-18
2.6
Workshop VI: Geschäftsmodell "Energieeffizienz" - gibt es das?
19-22
3

Einleitung

KLIMA.WERKSTATT 2015 -
Stadtwerke in der Energiewende

Am 9. November wurde im Industriemuseum Alte Zinkfabrik Altenberg in Oberhausen über die Rolle der Stadtwerke in der Energiewende diskutiert.
Eine Podiumsdiskussion und sechs Workshops gaben den rund 120 Besuchern die Gelegenheit, sich mit Stakeholdern aus den Umweltverbänden und der Verbraucherzentrale sowie mit Vertretern aus Kommunen, Unternehmen und Verbänden auszutauschen. Einer der Redner war Garrelt Duin, Minister für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk.
Zusätzlich zur Video-Dokumentation in unserem Youtube-Kanal können Sie hier nun die Ergebnisse der sechs Workshops nachlesen.

4

Workshop I: Stadtwerke und Wohnungswirtschaft – da geht mehr | Teil 1

WORKSHOP I: Stadtwerke und Wohnungswirtschaft

Referenten:
Dr. Susanne Stark, Stadtwerke Düsseldorf
Alexander Dyck, en|wohnen GmbH

Moderation:
Andrea Arcais, KlimaDiskurs.NRW e.V.

1) Thesen der Referenten

Dr. Susanne Stark

  • Ziel der Stadtwerke Düsseldorf sei der Ausbau der Fernwärme; der Absatz am kleiner werdenden Markt solle größer werden.
  • Mit dem „Wärmeentwicklungsplan“ als Analysemethode und Tool, strategische Entscheidungen zu treffen, seien wirtschaftliche Bewertungen und die Prioritätensetzung von Vorhaben möglich.
  • Sowohl die langfristige Planung als auch kurzfristige Reaktionen seien durchführbar.
  • Entscheidende Daten und Informationen sollen in den Wärmeatlas aufgenommen werden.
  • Wichtig sei es, zwischen Hauptversorgung und Mietversorgung zu differenzieren.
  • Der Wärmeverbrauch von Straßenzügen oder -ecken sei zu erfassen, um Potenziale für Verbünde und Trassenplanung erkennen zu können.  Dies sei sowohl ein strategisches Instrument zur Trassenplanung als auch eine Hilfe für den Vertrieb.

Alexander Dyck

  • Die Wohnungswirtschaft und die Energiewirtschaft sollten zusammen an nachhaltigen Lösungen arbeiten und kooperieren, grade auch auf regionaler Ebene. Wichtig sei, dass beide von der Kooperation profitieren und keine Seite überfordert werde.
  • Etwa 80% aller Immobiliennutzer oder Anbieter kommen aus dem privaten Sektor. Die Frage: Wie beeinflusst man diese Anbieter zu mehr Engagement für klima- und energierelevante Themen?
  • Viele kleinere Schritte auf regionaler Ebene ergäben größere Effekte für Gesamtbetrachtung. Beispielsweise liegen die Einsparpotenziale bei Dachdämmungen bei 15-20%.
  • Fernwärme habe gute Chancen, sich im Wettbewerb durchzusetzen. Ihre Vorteile: Sie ist CO2-arm, wirtschaftlich und hat keine hohen Materialkosten.
  • Eine positive Zusammenarbeit zwischen Genossenschaften, Wohnungswirtschaft und der Energiewirtschaft sei möglich. Ein Beispiel sei die Bildung von Energiegenossenschaften.
5

Workshop I: Stadtwerke und Wohnungswirtschaft – da geht mehr | Teil 2

2) Strittige Themen/Diskussionspunkte 

  • Ein richtiges Vorgehen sei, zu schauen, welche Gebäude welche Art Wärme bräuchten, und welche wo am sinnvollsten eingesetzt würden. (Wilhelm Schröder, Energieagentur NRW)
    → Zunächst regele der Wettbewerb, welche Wärme oder Energie sich durchsetzt und wer den Auftrag bekomme. (Dr. Susanne Stark, Stadtwerke Düsseldorf)
  • Das Problem, dass Verbrauchswerte aus Tests resultieren und nicht die realen Werte spiegelten, solle angegangen werden. (Ralph Wortmann, Wortmann & Scheerer – Ingenieurbüro für Wärme- und Energietechnik)
    → „Nutzer verbrauchen Energie, nicht die Häuser“; der Verbrauch und die Rechnungen seien für Nutzer entscheidend. (Norbert Bömer, Bürgerinitiative saubere Luft)

3) Wie geht es weiter?

Weiterführende Themen

  • Gaskraftwerke und Speicher für Wärmeenergie seien von hoher Bedeutung. Darüber hinaus steige die Relevanz und Umsetzung erneuerbarer Energien für die Fernwärme. (Dr. Heinz Baues, KlimaDiskurs.NRW e.V.)
    → Dr. Stark stimmt dem zu und weist darauf hin, dass die Kraftwerke teilweise geplant oder im Bau seien.

Fragen

  • Gibt es auf regionaler Ebene genügend Investitionen für Innovationen?
  • Was könnten Impulse für klimafreundliche Veränderungen im Bereich der privaten Wohnungseigentümer sein? (Dieter Donner, BUND NRW e.V. Düsseldorf)
  • Welche Anreizmodelle gibt es im Privatsektor; etwa über Steuern, Zuschüsse oder KFW-Kredite? Reichen diese Maßnahmen aus? (Ralph Wortmann, Wortmann & Scheerer – Ingenieurbüro für Wärme- und Energietechnik)

Vorschläge/Aufgaben

  • Der Ausbau der Fernwärme bedarf hoher Spezialisierung; in diesem Bereich müsse noch  viel getan werden. (Dr. Susanne Stark, Stadtwerke Düsseldorf)
  • Private Immobiliennutzer bzw. Vertreiber müssten für Verbesserungen an Häusern und Wohnungen stärker gefördert werden, etwa durch Steuerbegünstigungen, Förderprogramme etc. (Alexander Dyck, en|wohnen GmbH)
  • Energieberaterteams könnten Privateigentümer beraten. Wichtig dabei sei, dass tatsächliche Verbrauchswerte transparent und korrekt kommuniziert werden. (Alexander Dyck, en|wohnen GmbH)
  • Energiegenossenschaften sollten weiter ausgebaut werden. (Alexander Dyck, en|wohnen GmbH)
6

Workshop II: Marktchancen für Elektromobilität? - Good Practice-Beispiele | Teil 1

WORKSHOP II: Marktchancen für Elektromobilität?

Referenten:
Hartwig Meier, moBiel GmbH
Sören Högel, WSW Energie und Wasser AG
Andreas Meyer, WSW mobil GmbH

Moderation:
Jan Dobertin, Landesverband Erneuerbare Energien NRW e.V. (LEE NRW)

1) Thesen der Referenten

Hartwig Meier

  • Elektromobilität ist beim ÖPNV im Markt. Stadt-/ Straßenbahnen und O-Busse als Goodpractice-Beispiele.
  • moBiel hat in den letzten Jahren eine beträchtliche Nachfragesteigerung erreicht, die weitergeführt werden soll. Etwa 2/3 der Nachfrage entfallen auf die Stadtbahn.
  • Der CO²-Minderungsbeitrag ist bei der Stadtbahn besonders hoch.
  • Durch effizienter werdende elektrisch betriebene Autos besteht Konkurrenz. Vorteil des ÖPNV: kein Stau-/ Stellplatzproblem.
  • Der Plan, die Bielefelder Stadtbahn (besonders aus klimapolitischen Gründen) auszubauen, wurde durch eine Bürgerbefragung gekippt.
  • Projekt Ticket to Kyoto: Austausch über Handlungsstrategien mit vier weiteren europäischen Verkehrsbetrieben:
    • Austausch über Investitionen, politische Strategie
    • Vergleich der CO2-Fußabdrücke der Unternehmen
    • Projekt: Jährliche Energieeinsparung von 6-7% durch Investition in vier Anlagen zur Bremsenergierückgewinnung.

Sören Högel, Andreas Meyer

  • Vorstellung eines Innovationsprojekts: Elektromobilität mit Wasserstoff
  • Integriertes Konzept: Kopplung von Energiemarkt und Verkehrswirtschaft.
  • Energiewirtschaftliches Dreieck (Energiewirtschaftsgesetz): Umweltfreundlichkeit, Versorgungssicherheit, Preisgünstigkeit bei der Energieversorgung.
  • Zusätzliche Anforderungen und Risiken für Energieversorgungsunternehmen.
  • Wasserstofftechnologie hat einige Vorteile gegenüber anderen Antriebstechniken (z.B. mehr Komfort durch reduzierten Geräuschpegel).
  • Durch die ineinandergreifenden Geschäftsfelder des WSW-Konzerns kann Überschussstrom aus dem Müllheizkraftwerk zur Erzeugung von Wasserstoff genutzt werden → wirtschaftlich und ökologisch.
  • Hemmnisse: hohe Investitionskosten der Busse, daher noch keine Wirtschaftlichkeit.
7

Workshop II: Marktchancen für Elektromobilität? - Good Practice-Beispiele | Teil 2

2) Strittige Themen/ Diskussionspunkte 

Projekte der Referenten

  • Gab es Vorbehalte gegen den Einsatz von Wasserstoffbussen?
    → Es ist ein Pilotprojekt, aber es wird sowohl Vorsichtsmaßnahmen als auch ein Aufklärungskonzept für die Bevölkerung geben. (Andreas Meyer, WSW mobil GmbH)
    → In der Schweiz wird die Technologie bereits mit guten Erfahrungen eingesetzt. (Sören Högel, WSW Wuppertaler Stadtwerke GmbH)

  • Wie geht man im Unternehmen mit Bürgerentscheiden gegen Straßenbahnausbau um? (Jan Dobertin, LEE NRW)
    → Statt Straßenbahnen müssen nun mehr (Diesel-)Busse eingesetzt werden. Elektrobusse sind noch sehr teuer und würden zu viele Aufladestationen benötigen. (Hartwig Meier, moBiel GmbH)
    → Wasserstoffbusse kommen der Wirtschaftlichkeit näher. (Sören Högel, WSW Wuppertaler Stadtwerke GmbH)

  • Wie hoch ist die Energieeffizienz bei Elektromobilität mit Wasserstoff und wie wird bzgl. der Wirtschaftlichkeit kalkuliert?
    → Die Diskussion ist nicht technologisch, sondern wirtschaftlich. Kernfrage: Werden Elektrofahrzeuge in näherer Zukunft zu einem vernünftigen Preis zur Verfügung stehen? (Hartwig Meier, moBiel GmbH)

Potenziale verschiedener Ansätze

  • Was wird sich durchsetzen? Wasserstoff oder Elektromobilität? (Jan Dobertin, LEE NRW)
    → Schwer abzuschätzen. Es besteht zusätzliche Unsicherheit durch die parallele Entwicklung von selbstfahrenden Fahrzeugen. Nachfrage wird durch Preissenkung erzeugt. (Hartwig Meier, moBiel GmbH)
    → Es kommt darauf an, welche Logik bei der Frage nach Förderung zugrunde gelegt wird - Verkehrs-, Industrie- oder Energielogik. (Sören Högel, WSW Wuppertaler Stadtwerke GmbH)
    → In absehbarer Zeit wird es keine 100% Elektromobilität geben. Wir brauchen Flexibilität, Infrastruktur und intelligente Lösungen für den Anwendungsfall. (Andreas Meyer, WSW mobil GmbH)

  • Welches Potenzial haben Hybrid- oder Erdgasbusse? Sind sie noch aktuell?
    → Sie sind nicht wirklich ökologisch und daher nur als Vorläufer wichtig. Die Förderprogramme für Hybridbusse laufen aus. (Andreas Meyer, WSW mobil GmbH)
    8

    Workshop II: Marktchancen für Elektromobilität? - Good Practice-Beispiele | Teil 3

    Zukunft der Elektromobilität (im ÖPNV)

    • Wie sieht der ÖPNV in 10-15 Jahren aus? (Jan Dobertin, LEE NRW)
      → Es wird eine größere Vernetzung geben. Der Einstieg in den Elektrobusverkehr kommt, wird jedoch noch dauern. Spannend sind Elektrobikes, da sie ein geringeres Investitionsvolumen benötigen. (Hartwig Meier, moBiel GmbH)
      → Die Ziele der Bundesregierung werden nicht erreicht, eine Veränderung im Denken der Kunden hin zu ökologisch sinnvolleren Autos dagegen schon. (Andreas Meyer, WSW mobil GmbH)
      → Elektromobilität gelingt, wenn sie wirtschaftlich wird. Es wird verschiedene Konzepte geben. (Sören Högel, WSW Wuppertaler Stadtwerke GmbH)
    • Gibt es ein umfassendes Elektromobilitätskonzept?
      → Nein, so etwas haben wir (noch) nicht. (Hartwig Meier, moBiel GmbH)

    • Sind bei den Verkehrsbetrieben Tendenzen zur Kooperation erkennbar (Vgl. Stadtwerke)?
      → 40 europäische Städte haben sich zusammengeschlossen, um beispielsweise den Einkauf von Bussen gemeinsam zu organisieren. (Andreas Meyer, WSW mobil GmbH)
      → Kooperation der nordrhein-westfälischen Stadtbahnunternehmen: spurwerk.nrw. (Hartwig Meier, moBiel GmbH)

    3) Wie geht es weiter?

    Weiterführende Themen

    • Elektrobikes
    • selbstfahrende Fahrzeuge

    Fragen

    • Ist Elektromobilität für den ÖPNV der am meisten geeignete Ansatz?
    • Wie kann Elektromobilität wirtschaftlich eingesetzt werden?
    • Welche Möglichkeiten gibt es, eine positive Einstellung zum Straßenbahnausbau zu vermitteln?

    Vorschläge/ Aufgaben

    • Elektromobilitätskonzepte
    • Preissenkung bei Elektrobussen
    • Synergieeffekte von Verkehrsbetrieben
      9

      Workshop III: Das Mantra der Energieeffizienz | Teil 1

      WORKSHOP III: Das Mantra der Energieeffizienz

      Referenten:
      Dr. Stefan Thomas, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH
      Thorsten Coß, AVU Serviceplus GmbH

      Moderation:
      Dr. Judith Kuhn, Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen

      1) Thesen der Referenten

      Dr. Stefan Thomas

      • Energieeffizienz ist notwendig, um das Klimaziel „Treibhausgasneutrales Deutschland“ zu erreichen und Versorgungssicherheit zu gewährleisten, sowie als Hebel für die Senkung der Energiekosten.
      • Deutschland hat sich anspruchsvolle Ziele für die Energieeffizienz gesetzt, die theoretisch erreichbar sind (Fraunhofer ISI/ Wuppertal Institut).
      • Es gibt allerdings zahlreiche Hemmnisse. Energieeffizienz hat keine hohe Priorität und benötigt daher die Unterstützung der Politik, um einfach und attraktiv gemacht zu werden.
      • Optionen für die Organisation und Finanzierung von Programmen:
        → Energiesparverpflichtung der Energiewirtschaft: Finanzierung über die Energiepreise, Gefahr der Unübersichtlichkeit durch zu viele verschiedene Angebote.
        → Ausbau und Verstetigung bestehender und neuer Förder- und Beratungsprogramme sowie EnergieSparfonds: einheitliche Programme, aber haushaltsabhängig.
        Vorschlag des Wuppertal Instituts: „Energieeffizienz-Zehntelcent“, der von einer Bundesagentur für Energieeffizienz in einem EnergieSparfonds gesammelt und für die Finanzierung von Beratungs- und Förderprogrammen verwendet würde.
      • Ein solcher Ansatz würde sich zwar nicht sofort rechnen, längerfristig jedoch einen deutlichen Vorteil bringen.
      • Für die Stadtwerke wären die Kosten aus entgangenen Grenzerlösen und die Förderkosten ähnlich hoch wie die durch Energieeffizienz vermiedenen Kosten und Erstattungen der Förderkosten. Zusätzlich wäre ein Bonus für Einsparungen möglich.
      • Der Nationale Allokationsplan Energieeffizienz (NAPE) zeigt auf, welche Chancen sich (für die Stadtwerke) bieten, sich mehr zu engagieren als bisher. Dadurch schließt sich die Lücke für 2020 nur zur Hälfte, sodass zusätzlich etwas getan werden muss.
      • Mehr politische Steuerung ist daher notwendig. Das Wuppertal Institut sieht zwei Möglichkeiten:
        1) Eine Bundesagentur für Energieeffizienz, der ein Fonds zur Verfügung steht.
        2) Verpflichtung der Bundesnetzagenturen, den Netzbetreibern das Umsetzen und Finanzieren von Programmen über die Netzentgelte zu erstatten.
      10

      Workshop III: Das Mantra der Energieeffizienz | Teil 2

      Thorsten Coß

      • Energiekosten machen im verarbeitenden Gewerbe nur 2,2% der Gesamtkosten aus.
      • Einsparungen sind hier nicht besonders attraktiv, z.B. im Vergleich zu den Materialkosten (44,6%).
      • Das Bewusstsein für Energieeffizienz ist gering. Mögliche Maßnahmen in Unternehmen wären häufig sehr umfassend. Daher reichen Aufklärung und Bildung allein nicht. Die Wirtschaftlichkeit solcher Maßnahmen ist ebenso wichtig.
      • Energieeffizienz ist kein natürliches Ziel von Unternehmen, denn sie kann, muss aber nicht zu Energieeinsparungen führen.
      • Das Angebot im Bereich der Energieeffizienz ist vielfältig, wird aber wenig wahrgenommen, wenn es keine Verpflichtung (z.B. EN 16247) gibt. Beispiel: Trotz intensiver Bewerbung wurden von AVU Serviceplus nur 30 Energieeffizienz-Beratungen in drei Jahren durchgeführt.
      • Solange ihre Maschinen funktionieren, haben Unternehmen und Privathalte meist keinen Bedarf. Dass eine veraltete Maschine unwirtschaftlich ist, ist häufig nicht klar.
      • Es besteht ein Konflikt zwischen Gemeinschaftszielen der Energiewende und Individualzielen nach dem Motto: „Wenn der Staat Energieeffizienz will, soll er auch dafür zahlen.“ Der persönliche Vorteil muss für den Kunden ersichtlich sein.
      • Normen schaffen gleiche Rahmenbedingungen und verhindern Wettbewerbsverzerrungen.

      2) Strittige Themen/ Diskussionspunkte

      Vorschläge der Referenten

      • Beim Zehntel-Cent-Ansatz ist die Rechtskonformität fraglich, da es nicht erlaubt ist, eine Umlage von einer nicht bestimmbaren Gruppe zu verlangen. Den Verpflichtungen im Ordnungsrecht kann man sich durch Ausnahmen entziehen. (Simone Hafner, Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW)
      • Die Bundesnetzagentur ist ausdrücklich dafür geschaffen, sich exklusiv um das Netz zu kümmern. Das Personal für die Energieberatung kann nicht aus den Netzgesellschaften kommen. (Thorsten Coß, AVU Serviceplus GmbH)
      • Besteht bei einer Energieeffizienz-Agentur nicht die Gefahr, dass sie in erster Linie an Selbsterhalt und weniger an Zielerreichung interessiert sind? (Christian Noll, DENEFF)
        → Eine solche Agentur würde nicht allein entscheiden. Sie hätte die Aufgabe, Know-How für die Politik zu bündeln und wäre der Kontrolle durch Parlamente unterworfen (Dr. Stefan Thomas, Wuppertal Institut)

      Hindernisse

      • In den Vorträgen wurde deutlich, dass viele Programme nicht abgegriffen und Potenziale oft verschenkt werden. Was hindert uns Menschen daran, im Bereich der Energieeffizienz aktiver zu werden? (Bernhardt Köhler)
        → Viele sind über das Thema nicht informiert und sehen keinen Grund für Investitionen, wenn für sie kein direkter Vorteil daraus entsteht. (Thorsten Coß, AVU Serviceplus GmbH)
        → Förderungen müssen beworben werden und brauchen oft eine Anlaufzeit. Wenn es viele verschiedene Programme gibt, sind die Kunden überfordert. (Dr. Stefan Thomas, Wuppertal Institut)
        11

        Workshop III: Das Mantra der Energieeffizienz | Teil 3

        • Vielleicht ist die Erkenntnis, dass viele Ansätze momentan wenig Effekt haben, für die Stadtwerke ein Anhaltspunkt zuzugeben, dass sie alleine nicht weiterkommen? (Judith Kuhn, Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen)
          → Natürlich gibt es Zusammenarbeit mit anderen. Es liegen viele Erkenntnisse über die Verhaltensmuster der Menschen vor. Problematisch sind die niedrigen Preise, durch die der Anreiz, Energie einzusparen, sehr gering ist. (Thorsten Coß, AVU Serviceplus GmbH)

        Alternative Anreize

        • Die Stadtwerke und andere versuchen weiterhin, die Menschen mit rationalen Argumenten zu überzeugen. Stattdessen ist es notwendig, neue Wege zu gehen, um Energieeffizienz attraktiv zu machen. (Christian Noll, DENEFF)
          → Problematisch ist, dass die Commodity-Berater häufig (ursprünglich) Techniker sind, die für den Kundenkontakt gar nicht ausgebildet sind. (Thorsten Coß, AVU Serviceplus GmbH)

        • Es gibt bereits interessante Ansätze für alternative Anreize, z.B. eine Kombination aus Dachbodensanierung und -entrümpelung in Großbritannien. (Judith Litzenburger, EnergieAgentur.NRW)
          → Den Stadtwerken ist bewusst, dass es über die ökonomischen Anreize hinaus weitere Anreize gibt und es findet auch ein Austausch mit Psychologen statt. Das Hauptproblem ist an dieser Stelle das Mieter/ Vermieter-Dilemma. Dem Vermieter ist es egal, wieviel der Mieter zahlt, solange das Objekt gemietet wird. (Thorsten Coß, AVU Serviceplus GmbH)

        Alternative Maßnahmen

        • Gibt es weitere Vorschläge, z.B. Belohnungen für Einsparungen? (Simone Hafner, Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW)
          → Beim Einspar-Contracting gibt es viele Einflussgrößen, durch die für den Contractor ein großes Risiko besteht. Eine Lösung wäre es, wenn die Stadtwerke vom Land Gelder zur Verfügung gestellt bekämen, durch die sie Unternehmen Produkte direkt vergünstigt anbieten könnten. (Thorsten Coß, AVU Serviceplus GmbH)
          → Ein Belohnungssystem funktioniert nicht, weil Laien nicht wissen, wie sie einsparen können. Es besteht die Gefahr, dass aufgrund von natürlichen Schwankungen Menschen belohnt werden, die nichts getan haben. Stattdessen ist es zielführender, konkrete Maßnahmen zu fördern. (Dr. Stefan Thomas, Wuppertal Institut)
        12

        Workshop III: Das Mantra der Energieeffizienz | Teil 4

        • Wird auch überlegt, sich um Materialeffizienz zu kümmern, da Materialien 44% der Kosten im verarbeitenden Gewerbe ausmachen?
          → Es ist viel Know-How notwendig, um dabei als Gesprächspartner überhaupt wahrgenommen zu werden. An dieser Stelle findet daher eine Zusammenarbeit mit der Effizienz-Agentur NRW statt. (Thorsten Coß, AVU Serviceplus GmbH)

        • Sehen Sie es als realistisch an, Energieeffizienz als Flexibilitätsoption einen Wert zu geben? (Judith Litzenburger, EnergieAgentur.NRW)
          → Lastmanagement machen wir schon lange. Ein Unternehmen dazu zu bringen, die Produktion von Strom- oder Gaspreisen abhängig zu machen, funktioniert nicht. (Thorsten Coß, AVU Serviceplus GmbH)


        3) Wie geht es weiter?

        Weiterführende Themen


        • Neue Wege Energieeffizienz attraktiv zu machen (z.B. alternative Anreize)

        Fragen

        • Welche Rahmenbedingungen für die Energieeffizienz werden benötigt, um die angestrebten Ziele zu errreichen? Wie können diese umgesetzt werden?
        • Wie können Förderprogramme organisiert und finanziert werden?
        • Welche Anreize zur Energieeffizienz sind für Unternehmen und Privatpersonen überzeugend?
        • Wie kann das Bewusstsein für Energieeffizienz erhöht werden?

        Vorschläge/Aufgaben

        • „Energieeffizienz-Zehntelcent“, Einrichtung einer Bundesagentur für Energieeffizienz
        • Belohnungssysteme für Einsparungen
        • Einsatz im Bereich der Materialeffizienz
        • Energieeffizienz als Flexibiiitätsoption
          13

          Workshop IV: Wege zur klimaneutralen Wärme | Teil 1

          WORKSHOP IV: Wege zur klimaneutralen Wärme

          Referentin:
          Dr. Nicole Röttmer, The CO-Firm GmbH
          Vortrag: „Geschäftsmodell „Energieeffizienz“ – gibt es das?

          Moderation: Andrea Arcais, KlimaDiskurs.NRW e.V.

          1) Thesen der Referentin

          • Die Geschäftsmodelle der Stadtwerke sind oft nicht mehr profitabel. Gleichzeitig aber sollen Energiewende und Klimaschutzziele erreicht werden.
          • Dieses Problem sei vor allem über eine Steigerung der Energieeffizienz zu lösen. Hier seien viele neue Ideen und Geschäftsmodelle möglich.
          • Dabei seien Strom und Wärme in gleicher Weise wichtig für der Energiebedarf.

          Potenziale der Heizwärme

          • Unter anderem durch Heizungstausch, Fördersysteme oder dezentrale Wärmeversorgung.
          • Dezentrale Versorgungsquartiere mit kommunalen Abnehmern.
          • Mehrere kommunale Abnehmer könnten sich zusammenschließen und gemeinsame Abnahmen vereinbaren.
          • Das Contracting für Nutzergruppen könnte ausgebaut werden.
          • Allerdings gebe es ein finanzielles Risiko und das Projektmanagement sei schwierig.

          Potenziale der Prozesswärme

          • Unter anderem durch Energieberatung und Energie Audits, Projektkonzeptionen, Anlagenbau und dem Ausbau des Contracting.
          • Die Nachfrage für Full-Service Angebote sei hoch, da die komplexe Thematik über-fordere und es oftmals an Expertise fehle, die bei den Stadtwerken vorhanden sei.
          • Um zum Full-Service-Anbieter zu werden, könnten das Lastenmanagement, das Anlagenmanagement und der Energiehandel übernommen werden.
          • Ziel solle sein, Strukturen und Prozesse für Unternehmen und andere Abnehmer zu vereinfachen.

          2) Strittige Themen/Diskussionspunkte

          • Was ist mit klimaneutraler Wärme genau gemeint und wie lässt sie sich die realisieren? (Dieter Donner, BUND NRW e.V. Düsseldorf)
            → Dies sei ein schwieriger und unklarer Begriff. Es komme letztlich drauf an, was erreicht werden solle. (Dr. Nicole Röttmer, The CO-Firm GmbH)
          14

          Workshop IV: Wege zur klimaneutralen Wärme | Teil 2

          • Die Zusammenarbeit kommunaler Abnehmer sei schwierig, da Unsicherheiten bezüglich der Verlässlichkeit bestünden. (Dr. Harald Müller-Witt, geschäftsführender Gesellschafter der Zero Emissions Inc.)
            → Akteure müssten sich kennen und Vertrauen zueinander entwickeln. Zudem müsse eine gelungene Kommunikation stattfinden. (Dr. Nicole Röttmer, The CO-Firm GmbH)
            → Kooperationspartner zu finden, sei nicht schwierig. Das Problem sei, dass die Wirtschaftlichkeit nicht zwingend gegeben sei, die Kosten sehr hoch seien und nicht zwingend beide Partner von einer Kooperation profitierten. (Ralph Wortmann, Wortmann & Scheerer – Ingenieurbüro für Wärme- und Energietechnik)

          3.) Wie geht es weiter?

          Weiterführende Themen

          • Die Akteure im Bereich der Energieeffizienz müssen sich noch finden, Verständnis für Dinge entwickeln und Testphasen durchlaufen. (Dr. Nicole Röttmer, The CO-Firm GmbH)
          • Hinweis auf das Projekt: „Stratego“ – Angabe von Einsparpotenzialen für verschiedene Länder in Europa, Berechnungen und Forschungen zum Thema der klimaneutra-len Wärme.

          Fragen

          • Was passiert mit der Wärmeabgabe? Deklaration als Müll? Oder sind Speicherungen und Kombinationsnutzungen möglich? (Dr. Susanne Stark, Stadtwerke Düsseldorf)
          • Wie sieht es mit Investitionen im Bereich klimaneutraler Wärme aus? (Charlotte Ruhbaum, Stiftung Mercator GmbH)
          • Was ist die Rolle von Strom auf dem Wärmemarkt? (Charlotte Ruhbaum, Stiftung Mercator GmbH)
          • Ist der Vertrieb nur noch auf kleiner Ebene sinnvoll, da die Versorgung nicht mehr machbar ist? (Götz-Reinhardt Lederer, BUND, Landesverband NRW e.V.)
          • Gibt es Methoden für Berechnungen zur klimaneutralen Wärme? (Dieter Donner, BUND e.V. Düsseldorf)

          Vorschläge/Aufgaben

          • Absicherungen oder Versicherungen für kommunale Abnehmer und Partnerschaften (Dr. Harald Müller-Witt, Zero Emissions Inc.)
          • Das Lastenmanagement sollte ausgebaut werden; systemübergreifende Lösungen sollten gefunden werden und eine „kaufmännische“ Energiewende bewerkstelligt werden können. (Detlef Großjohann, Hertener Stadtwerke)
          • Eine Projektidee: neue Firmenansiedlungen in Orten mit einer vorneherein geplanten gemeinsamen Wärme- und Energienutzung. Dafür gäbe es allerdings wenige Freiräume in Deutschland.
            15

            Workshop V: Quo vadis Elektromobilität? | Teil 1

            WORKSHOP V: Quo vadis Elektromobilität?

            Referenten:
            Hauke Hinrichs, smartlab Innovationsgesellschaft mbH
            Reiner Timmreck, Stadtwerke Iserlohn GmbH

            Moderation:
            Jan Dobertin, Landesverband Erneuerbare Energien NRW e.V. (LEE NRW)

            1) Thesen der Referenten

            Hauke Hinrichs

            • 1 Mio. Elektrofahrzeuge bis 2020 werden nicht erreicht
            • Es gibt ein Nachfrage-, kein Technologieproblem. Durch staatliche Anreize würde genügend Nachfrage zustande kommen.
            • Elektromobilität entwickelt sich dennoch vom Nischen- zum Massenprodukt (steigende Stückzahlen, sinkende Preise, Erhöhung der Reichweiten).
            • Wachstumsfaktoren für Elektromobilität: EU-Klimaziele, VW-Krise.
            • Wo geht es hin? Elektromobilität vernetzt die Bereiche Energie (z.B. Intelligente Ladesäulen) und Mobilität (z.B. Carsharing).
            • Konkreter: Wo sind die Geschäftsmodelle für Stadtwerke?
              → Erweiterung der Wertschöpfungskette: Arbeitgeber und Privathaushalte (z.B. PV und elektrisches Carsharing).
              → Erschließung neuer Dienstleistungsbereiche: Supermärkte, Parkhäuser.
              → Investitionen in Infrastruktur: Öffentliche Ladeinfrastruktur (Stadtwerke: ladenetz.de, muss einfach und kostengünstig sein, Refinanzierung erst in 20 Jahren).

            Reiner Timmreck

            • Elektrofahrzeuge sind sparsam, sauber und komfortabel.
            • Aber: zu teuer/komplex, geringe Reichweite, schlechte Infrastruktur, wenig Förderung.
            • Stadtwerke könnten die Infrastruktur ausbauen und dafür sorgen, dass Tarife einfach gehalten werden. Der Preis wird durch die Hersteller und Händler beeinflusst.
            • Ladestationen: Henne-Ei-Problem (Auto nur mit Ladestation/ Ladestation nur, wenn es viele Autos gibt) → Konventionelle Ladestationen sind zu teuer.
            • Neue Modelle: Intelligentes Ladekabel „SmartCable“ (600-800€) + einfache Systemsteckdose „SimpleSockets“ (600€) + Abrechnungsplattform „ConnectivityManager“ → Zähler ist im Kabel, Abrechnung über die Stromrechnung, Strom kann mitgenommen werden.
            • Es gibt bereits Branchen, in denen Elektromobilität wirtschaftlich eingesetzt wird (Gewerbe, deren täglicher Radius bei höchstens 100km liegt).
            • Wie kann das Marktpotenzial vergrößert werden?
              → Batteriekapazität wird sich in den nächsten 24 Monaten verdoppeln, Preis wird sinken (EU-Vorgaben), neue Abrechnungsprodukte.
              → Förderprogramme gewünscht und nötig, da noch wirtschaftliche Nachteile überbrückt werden müssen.
            16

            Workshop V: Quo vadis Elektromobilität? | Teil 2

            2) Strittige Themen/ Diskussionspunkte

            Öffentliche Infrastruktur

            • Bauen Sie (Hinrichs/Timmreck) nicht im Grunde zwei Infrastrukturen auf ? (Jan Dobertin, LEE NRW e.V.)
              → Die Modelle sind teilkompatibel. Nutzer von intelligenten Ladekabeln können über die Karte auch intelligente Ladesäulen nutzen. Das System mit intelligentem Kabel ist dagegen in sich geschlossen. (Hauke Hinrichs, smartlab Innovationsgesellschaft mbH)
              → Beide Modelle werden benötigt und ergänzen sich. An bestimmten Stellen machen Schnellladestationen Sinn. Über 90% der Ladevorgänge finden jedoch nicht in der Öffentlichkeit statt. (Reiner Timmreck, Stadtwerke Iserlohn GmbH)

            • Wie viele Anbieter gibt es, die in Deutschland Abrechnungssysteme/ Ladestationen betreiben? (Jan Dobertin, LEE NRW e.V.)
              → Es gibt viele verschiedene Netze und Systeme, die sich momentan noch voneinander abgrenzen, aber dabei sind, sich stark füreinander zu öffnen. (Hauke Hinrichs, smartlab Innovationsgesellschaft mbH)

            • Das Laden von Elektroautos ist durch verschiedene Lade- und Abrechnungssysteme noch sehr kompliziert. Außerdem fehlt angesichts der Tatsache, dass 90% der Ladevorgänge zu Hause stattfinden, ein Netzmanagement. (Jürgen Frericks, BGE-Fraktion im Rat der Stadt Emmerich)
              → Es wird daran gearbeitet, die Systeme einheitlicher zu gestalten, allerdings ist der Aufbau solcher Infrastrukturen auch politisch schwierig. (Hauke Hinrichs, smartlab Innovationsgesellschaft mbH)

            • Wird es bei 90% nicht-öffentlicher Ladung bleiben? Der Straßenraum ist bereits jetzt knapp.
              → Ladestationen mit SmartCable können einfach und relativ kostengünstig eingerichtet werden. Die Steckdosen könnten z.B. in die Straßenbeleuchtung eingebaut werden, um auf den begrenzten Parkraum einzugehen. (Reiner Timmreck, Stadtwerke Iserlohn GmbH)
              → Die Nutzer sind zu faul, ihren Wagen in der Stadt zu laden. Durch Privilegien wie einen kostenlosen Stellplatz erhöht sich die Bereitschaft. (Hauke Hinrichs, smartlab Innovationsgesellschaft mbH)

            • In den Städten werden Steckdosen für die Mieter benötigt, die möglicherweise jeden Abend einen anderen Stellplatz haben.

            Kundeninteressen

            • Bislang wird zu wenig auf die Bedürfnisse und Wünsche der Nutzer eingegangen. Die Stadtwerke müssen aufpassen, dass sie nicht von guten, einfachen und kostengünstigen Angeboten überrollt werden. (Hauke Hinrichs, smartlab Innovationsgesellschaft mbH)
              • Momentan stört die geringe Reichweite von Elektroautos noch viele Menschen. Sie wird sich
              allerdings erhöhen und dann kein Problem mehr darstellen. (Reiner Timmreck, Stadtwerke Iserlohn GmbH)
              • Die Reichweite von Elektroautos könnte vorübergehend durch Gas erhöht werden. Wenn der Nutzer merkt, dass er die zusätzliche Reichweite nicht braucht, wird ein Umdenken stattfinden.
              → Tesla weckt durch ein gutes, aber sehr teures Produkt falsche Erwartungen bei den Menschen. (Hauke Hinrichs, smartlab Innovationsgesellschaft mbH)
              17

              Workshop V: Quo vadis Elektromobilität? | Teil 3

              Ausblick

              • Wie ist Elektromobilität in ein Gesamtkonzept zukünftiger Mobilität eingebunden?
                → In unserem Aktionsplan Elektromobilität gibt es Pläne für die Organisation von Sharing. (Reiner Timmreck, Stadtwerke Iserlohn GmbH)
                → Es gibt schon jetzt viele Angebote für das Smartphone über die das Aufladen des Elektroautos organisiert werden kann. Sie müssten zukünftig unkomplizierter gestaltet werden. (Hauke Hinrichs, smartlab Innovationsgesellschaft mbH)
              • Werden im Bereich der Elektromobilität stärkere Durchsetzungsregeln benötigt? Ladestationen sind z.B. oft zugeparkt. (Jan Dobertin, LEE NRW e.V.)
                → In Ländern, in denen sich Elektromobilität mehr durchgesetzt hat (z.B. Niederlande), sind Elektroautos stärker privilegiert. (Hauke Hinrichs, smartlab Innovationsgesellschaft mbH)

              • Welche Infrastruktur brauchen wir wo? Fehlt es an Ladestationen? (Jan Dobertin, LEE NRW e.V.)
                → Es ist schwierig zu sagen, wie viele Ladesäulen nötig sein werden. Die Basisinfrastruktur liegt nicht im öffentlichen Bereich, aber es werden z.B. zusätzliche Schnellladesysteme in Parkhäusern und an Autobahnen eingebaut werden. (Hauke Hinrichs, smartlab Innovationsgesellschaft mbH)

              • Wie viele Fahrzeuge werden bis 2020 auf der Straße sein? (Jan Dobertin, LEE NRW e.V.)
                → 600.000-700.000. (Reiner Timmreck, Stadtwerke Iserlohn GmbH)
              • Sollten wir uns nicht mehr damit befassen, was aus der Perspektive städtischer Anbieter getan werden kann, um mehr in Richtung Sharing zu gehen und so die Masse an Fahrzeugen zu reduzieren?

              3) Wie geht es weiter?

              Weiterführende Themen

              • Car-Sharing
              • Netzmanagement bzgl. privater Ladung

              Fragen

              • Wie kann eine größere Nachfrage geschaffen werden?
              • Wie lässt sich Elektromobilität vereinfachen/flexibilisieren?
              • Welche Infrastruktur ist zielführend?
              • Wie können Lade- und Abrechnungssysteme vereinheitlicht werden?

              Vorschläge/Aufgaben

              • (mehr) Privilegien für Elektroauto-Besitzer
              • stärkere Beachtung der Kundeninteressen
              • Förderprogramme
              18

              Workshop VI: Geschäftsmodell "Energieeffizienz" - gibt es das? | Teil 1

              WORKSHOP VI: Geschäftsmodell Energieeffizenz - gibt es das?

              Referenten:
              Christian Noll, Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF)
              Torsten Brose, Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung im VKU (ASEW))

              Moderation:
              Dr. Judith Kuhn, Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen (IKG)

              1) Thesen der Referenten

              Christian Noll

              • Problematisch sind im Bereich der Energieeffizienz nicht fehlende Lösungen. Deutschland ist z.B. Spitzenreiter bei energiesparenden Produkten und Dienstleistungen für die Industrie.
              • Laut DENEFF bereits recht solide Energieeffizienzbranche: 160 Mrd. € Jahresumsatz.
              • Energieeffizienz lohnt sich: 75% der Unternehmen wollen den Bereich Energieeffizienz weiter ausbauen (laut DENEFF).
              • Schwierigkeit: Energieeffizienz ist selten das eigentliche Produkt bzw. der wesentliche Bestandteil des Geschäftsmodells. Sie muss daher „sexy“ werden.
              • Im Rahmen der Digitalisierung entstehen neue Geschäftsmodelle, z.B. bettervest.
              • Es ist wichtig, den Kunden zu verstehen: Es gibt wesentlich mehr Motive als nur Kosteneinsparungen. Problem: Qualitative Marktforschung in diesem Bereich kaum vorhanden.
              • Die Politik muss die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen, damit sich der Markt regeln kann (z.B. durch Förderprogramme, wettbewerbliche Ausschreibungen, die Beseitigung von Barrieren).

              Torsten Brose

              • Geschäftsfelder der Stadtwerke: Energieberatung, Energiemanagement, Contracting, Neue Dienstleistungen etc.
              • Energieeffizienz funktioniert momentan hauptsächlich bei Geschäftskunden (ab 100.000 kWh Strom/ 300.000 kWh Gas), bei Privat- und Gewerbekunden ist es deutlich schwieriger.
              • Geschäftskunden: Energieliefer-Contracting, Mieterstrom, Energiemanagement sind Gebiete mit großer Nachfrage. Energieeffizienz-Netzwerke sind sehr gut, wenn sie bestehen, ihre Initiierung ist jedoch aufwendig.
              • Privat- und Gewerbekunden: Energieliefer-Contracting und Energieausweise funktionieren einigermaßen. Energieberatung lässt sich dagegen nicht verkaufen (da es viele kostenlose Angebote gibt). Energieeffizienz-Shops bringen ebenfalls keinen Gewinn (Kundenbindungsinstrument.
              • Ergebnisbeitrag und Aufwand stehen in Wertschöpfungskette häufig in ungünstigen Verhältnis.
              19

              Workshop VI: Geschäftsmodell "Energieeffizienz" - gibt es das? | Teil 2

              • Durch Digitalisierung und Standardisierung kann der Prozess wesentlich schlanker gehalten werden und so optimiert werden (Bsp. thermondo).
              • Herausforderung: Einbindung des regionalen Handwerks. Konfliktpotenzial aufgrund der Konkurrenz zwischen Stadtwerken und Handwerkern.
              • Die Zusammenarbeit zwischen Stadtwerken und Handwerkern wird sich verändern. Potenzial für Kooperationen zwischen Stadtwerken und Handwerkern, um die Wertschöpfungskette in der Region zu lassen.
              • Die Stadtwerke Aachen haben viele ihrer Aktivitäten in ein Gemeinschaftsunternehmen mit den Handwerkern vor Ort (FFAC) ausgelagert, das dadurch die zentrale Anlaufstelle für den Kunden ist. Innerhalb dieser Kooperation können auch Kundendaten zentral gesammelt werden.

              2) Strittige Themen/ Diskussionspunkte

              Innovationen/Ansätze

              • Warum gibt es keine großflächigeren Ansätze, sondern hauptsächlich kleine, innovative Projekte? (Dr. Judith Kuhn, IKG)
                → Energieeffizienz ist ein sehr komplexes Thema. Es braucht passende Rahmenbedingungen, gute Geschäftsmodelle und Dialog zwischen den Akteuren. (Christian Noll, DENEFF)

              • Könnten Energieeffizienz-Genossenschaften eine effiziente Möglichkeit sein, Energieeffizienz weiter voranzubringen? (Dirk Jansen, BUND Landesverband NRW e.V.)
                → Sie sind eine Möglichkeit, allerdings sind Energieeffizienz-Projekte komplex und benötigen jeweils eine maßgeschneiderte Finanzierung. Kommunalobligationen könnten eine weitere Möglichkeit sein, Energieeffizienz zu fördern. (Christian Noll, DENEFF)

              • Es sollte mehr Wert auf die Vermarktung und Attraktivitätssteigerung von Dienstleistungen gelegt werden, als auf die Qualitätsverbesserung der Produkte, da diese bereits einen hohen Standard aufweisen. (Christian Tögel, EnergieAgentur.NRW)
                → Sowohl Dienstleistungen als auch Produkte sind wichtig. Es gibt auch tolle Projekte im Produktbereich, z.B. „Energiesprong“. (Christian Noll, DENEFF)

              Energieeffizienz-Bewusstsein

              • Momentan wird zu wenig auf Energieeffizienz und die dadurch entstehenden Einsparungsmöglichkeiten aufmerksam gemacht. (Bernhardt Köhler)

              • Es sollte darauf hingewiesen werden, dass die Energiekosten steigen werden und Vorsorge im Bereich der Energieeffizienz daher sinnvoll ist. Zudem braucht es ein gesellschaftliches Bewusstsein für Energieverschwendung. (Bernhardt Köhler)
                → Eigentlich ist der Energiepreis unwesentlich, denn als der Energiepreis hoch war, hat er auch nicht die Maßnahmen gezeitigt. Es liegt also ein Marktversagen vor. (Christian Noll, DENEFF)

              • Kirchen und Gewerkschaften sollten im Bereich der Energieeffizienz konkreter Stellung beziehen. (Bernhardt Köhler)
                → Kirchen und Gewerkschaften sind aktiv. Das Institut für Kirche und Gesellschaft setzt sich beispielsweise aktiv für Energieeffizienz ein und war wie auch der DGB NRW an der Gründung von KlimaDiskurs.NRW beteiligt. (Dr. Judith Kuhn, IKG)
              20

              Workshop VI: Geschäftsmodell "Energieeffizienz" - gibt es das? | Teil 3

              Engagement der Stadtwerke

              • In Deutschland sind im Bereich der Energieeffizienz bereits Bemühungen vorhanden, mehr über den Kunden zu erfahren. Die Stadtwerke Tübingen nutzen beispielsweise BEN Energy (Schweiz). (Torsten Brose, ASEW)

              • Wollen die Stadtwerke das Geschäftsmodell Energieeffizienz wirklich aktiv besetzen oder bleiben sie überwiegend bei ihren klassischen Geschäftsmodellen? (Dirk Jansen, BUND Landesverband NRW e.V.)
                → Die Stadtwerke sind sehr aktiv im Bereich der Energieeffizienz und suchen nach den richtigen Modellen, u.a. da sich das klassische Kerngeschäft immer weniger rentiert. In den letzten Jahren hat sich jedoch auch eine gewisse Ernüchterung entwickelt, da viele Modelle nicht erfolgreich waren und die Suche sich schwierig gestaltet. (Torsten Brose, ASEW)

              • Welches Unternehmen in der ASEW verdient tatsächlich an Energieeffizienz? (Thorsten Coß, AVU Serviceplus GmbH)
                → Es verdienen eher die großen Stadtwerke, die Zugriff auf die Zielgruppe haben. Der ländliche Raum ist schwierig. (Torsten Brose, ASEW)

              • Die Stadtwerke sind es nicht gewohnt, aber für viele Unternehmen sind die weniger rentablen Bereiche der Wertschöpfungskette das Tagesgeschäft. (Bernhardt Köhler)
                → Das Feld Motivation-Beratung-Planung ist durch das Handwerk besetzt. Die Konkurrenz zum Handwerk birgt einige Herausforderungen und erschwert den Zugang der Stadtwerke zu diesen Bereichen. (Torsten Brose, ASEW)
                → Die Stadtwerke müssen sich trauen, in dem Geschäftsfeld trotz der Konkurrenz zum Handwerk aktiver zu werden. (Christian Noll, DENEFF)

              • Die Frage ist, an welcher Stelle Stadtwerke starke Partner für Energiedienstleistungen werden können. (Judith Litzenburger, EnergieAgentur.NRW)
                → Ähnlich wie in anderen Branchen versprechen integrierte Geschäftsmodelle Erfolg, bei denen Energieeffizienz mit anderen Dienstleistungen kombiniert wird. (Christian Noll, DENEFF)

              • Das Bestreben der Stadtwerke, der Privatwirtschaft den Rang ablaufen zu wollen, ist verwunderlich, da sich die Stadtwerke bisher im Vergleich zu anderen Anbietern durch mehr Service, Dienstleistung und Qualität profiliert haben. (Christian Tögel, EnergieAgentur.NRW)
                → Der Markt ist in Bewegung und durch Marktpartnerschaften können Dienstleistungen und Produkte dem Kunden leichter (häufig günstiger) verkauft werden. (Torsten Brose, ASEW)
              21

              Workshop VI: Geschäftsmodell "Energieeffizienz" - gibt es das? | Teil 4

              3) Wie geht es weiter?

              Weiterführende Themen

              • Dialog über und Strategien für sich entwickelnde Märkte wie Wind- und Solarenergie.
              • Erhöhung des gesellschaftlichen Bewusstseins für Energieverschwendung.

              Fragen

              • Was macht Energieeffizienz attraktiv?
              • Was sind gute Energieeffizienz-Geschäftsmodelle? Welche Modelle bewähren sich?
              • Welche politischen Rahmenbedingungen sind notwendig?
              • Wie kann sich Energieeffizienz rentieren?
              • Wie können die Stadtwerke mit der Konkurrenz zum Handwerk umgehen?
              • Welche Rolle spielen die Stadtwerke beim Thema Energieeffizienz? Sind sie aktive Akteure, Koordinatoren oder Partner?

              Vorschläge/Aufgaben

              • Wettbewerbe für gute Energieeffizienz-Geschäftsmodelle.
              • Dialog zwischen den Akteuren im Bereich der Energieeffizienz fördern.
              • Energieeffizienz-Genossenschaften und -Netzwerke, Kommunalobligationen.
              • Integrierte Geschäftsmodelle, Kooperationen zwischen Stadtwerken und Handwerkern.
              • Qualitative Marktforschung, um die Wünsche und Interessen der Kunden besser zu verstehen.
              22

               

               

               

               

               

               

              Impressum

              Herausgeber
              KlimaDiskurs.NRW e.V.
              Corneliusstr. 18
              40215 Düsseldorf

              Text
              Lisa-Sophie Käsch
              Kevin Voss

              Inhaltliche Beratung
              Andrea Arcais, KlimaDiskurs.NRW e.V.
              Jan Dobertin, Landesverband Erneuerbare Energien NRW e.V. (LEE NRW)
              Dr. Judith Kuhn, Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen

              Fotos
              Wenn nicht anders angegeben: Shutterstock (www.shutterstock.de), Steffen Hoefft

              23

              KlimaDiskurs.NRW e.V.
              Corneliusstr. 18
              40215 Düsseldorf

              T 0211 63553810
              F 0211 63553811

              info@klimadiskurs-nrw.de
              www.klimadiskurs-nrw.de

              @klimadiskursNRW

              24